Etwas verschlafen, aber mit sehr viel Humor besammelten wir uns am Samstagmorgen um 06:30Uhr beim Restaurant Bahnhof. Mit einem flotten Marsch verabschiedeten wir uns von unserem Dorf. Bald kam der Zug angebraust und wir sammelten unsere Siebensachen und stiegen ein. Nun begann eine ziemlich lange aber lustige Fahrt. In Aarau angelangt, wurden wir in unsere Unterkunft geführt. Für die zwei Damen in der neuen Kavalleriekaserne und für die Herren in der alten Kavalleriekaserne. Die älteren Mitglieder waren dann jedesmal froh, wenn sie oben oder unten waren, sind es doch nicht weniger als 80 Treppenstufen gewesen, die sie jedesmal besteigen mussten, wenn sie etwas aus ihrem Zimmer holen sollten. Nachdem wir nun unsere Logis bezogen hatten, waren wir bis zum Mittagessen in der Festhütte frei. Nach dem Mittagessen zogen wir gemeinsam in unser Übungslokal und hatten dort 20 Minuten Zeit zum einblasen. Jetzt galt es Ernst. Mit klopfenden Herzen schritten wir unserem Wettlokal zu. Dort mussten wir alle den Musikpass vorweisen, dann gings los. Um 14:45Uhr ertönte der Gongschlag der Kampfrichter, das war das Startzeichen für uns. Zuerst etwas zaghaft, dann aber sauber spielten wir das Selbstwahlstück «Robin Hood» bearbeitet von O. Zurmühle. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es weiter mit dem Aufgabestück «Söldnertanz» von Stephan Jäggi. Auch dieses Stück gelang uns recht gut. Jetzt war die echte Feststimmung bei uns erst recht gekommen, denn nun waren wir frei bis am Sonntagmorgen zur Marschmusik. Zuerst wurde einmal der grosse Budenplatz bestürmt, wo wir uns in allerhand üben konnten, Ballwerfen, Schiessen, Hau den Lukas, Achterbahn, Autobahn und vieles andere mehr. Am Abend bot sich in der Festhütte ein grossartiges Programm und natürlich Tanz. Einige gaben sich dann Mühe, ihr Bett aufzusuchen, konnten aber wegen dem grossen Lärm und der fröhlichen Stimmung kein Auge zutun.
Am Sonntag ging es in aller Frühe zur Festhütte zum Morgenessen. Einige waren schon dort. Wahrscheinlich hatten sie den Ausgang noch gar nicht gefunden. Jetzt mussten wir uns noch einmal aufraffen, denn um 08:45Uhr waren wir an der Reihe für unsere Marschmusikdemonstration in der Bahnhofstrasse. Unser Dirigent gab uns noch die letzten Anweisungen, dann war es so weit. Mit guter Disziplin stellten wir uns vor einer grossen Zuschauermenge auf. Nachdem wir flott in den Gliedern in Achtungsstellung da standen, meldete unser Dirigent uns bei dem strengen musternden Experten Flach, Bern, an. Nun wurde uns bekannt gegeben, ob der 1. oder 2. Marsch gespielt werden musste. Der 1. Marsch war für uns «Bergvolk» von A. Baur. Der 2. «Concordia» von Arthur Ney. Die Experten hatten sich für «Concordia» entschieden. Mit dem Kommandoruf unseres Dirigenten marschierten wir dann mit strammen Schritten beim Experten Podium vorüber. Unter dem flotten Marsch «Concordia» liess es sich gut marschieren. Jeder Musikant gab sich grosse Mühe, so dass wir dem Prädikat «vorzüglich» sicher sein durften. Auch die Zuschauer liessen es am Applaus nicht fehlen.
Der Sternmarsch durch Aarau und der Gesamtchor fielen dann leider buchstäblich ins Wasser. Es regnete in Strömen und die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun mit Wasser pumpen.
Spannend wurde es dann am Nachmittag bei der Rangverkündigung in der Festhütte. Niemand wusste, was für Prädikate wir bekommen würden. Nach langen Minuten Ratens begann endlich die ersehnte Verkündigung. Mit klopfenden Herzen hörten wir die Stimme verkünden: Musikgesellschaft Uttigen, 3. Kategorie, Prädikat sehr gut. Wir schrien uns fast heiser vor lauter Freude. Bei der Marschmusik bekamen wir das Prädikat vorzüglich. Die Experten für die Wettstücke waren die Herren Josef Imark, Musikdirektor, Münchenstein, Paul Montavon, Musikdirektor, Pruntrut und Walter Spieler, Musikdirektor, Aarau. Bei der Marschmusik waren die Experten die Herren Werner Strassmann, Musikinstruktor, Gossau, Emil Schmid, Musikdirektor, Altdorf und Alfred Flach, Tamboureninstruktor, Bern.
Nach der Rangverkündigung ging es dann noch einmal in die Unterkunft zurück, wo wir unsere sieben Sachen mitnahmen, und begaben uns dann auf den Bahnhof, wo der Extrazug nach Bern bereit stand. Nach 2 stündiger Bahnfahrt kamen wir in Uttigen an. Zur grossen Überraschung war die ganze Dorfbevölkerung auf dem Bahnhofplatz versammelt. Es war ein Empfang für die Musikgesellschaft Uttigen, der allen Musikanten noch lange in Erinnerung bleibt.
Der Gemendepräsident, Herr Jürg Zaugg, gratuliert im Namen der Gemeinde und der Gemeindevereine der Musikgesellschaft Uttigen und überreicht dem Dirigenten Ernst Ryser die Ouverüre «Neron» von Francis Popy als Geschenk. Unser Präsident überreichte dem Dirigent ein Couvert für die gute Stabführung. Der Präsident Res Schaller dankt im Namen der Musikgesellschaft der Gemeinde für die Spende und den flotten Empfang. Dann gab es noch einen Umzug bis zum Restaurant Säge, wo wir Musikanten dann nach Hause gingen!
Das war das Eidgenössische Musikfest 1966 in Aarau.
